Quelle und weiterführende informationen: http://ow.ly/deq330aIjLN [1]
Die Digitalisierung der Praxisarbeit ist kein Selbstläufer, sondern benötigt von Beginn an ein professionelles Management. Doch nur die wenigsten Ärzte besitzen hierfür bislang die notwendigen Fähigkeiten.
Um Digital-Lösungen im Praxisalltag zu etablieren bedarf es einer Vielzahl von Entscheidungen und Handlungen, d. h. eines professionellen Managements. Neben der Festlegung einer Digitalisierungs-Strategie müssen nicht nur in Frage kommenden Ansätze ausgewählt und bewertet, sondern auch ihre Implementierung geplant, realisiert und kontrolliert werden. Untersucht man die Aktivitäten, die niedergelassene Ärzte bislang im Rahmen der vier Management-Grundfunktionen realisieren, zeigen sich jedoch deutliche Defizite, die sich auf die Schnelligkeit und Breite der Transformation spürbar auswirken werden
Analyse
in Form von Marktforschung wird in den meisten Praxen nur rudimentär betrieben. Deshalb besteht auch kaum ein Wissen zu den Digital-Anforderungen und – Wünschen der Patienten und – bei spezialisierten Ärzten – der zuweisenden Kollegen. Ebenso fehlt es an tieferen Einblicken in die für Arztpraxen geeigneten Lösungsansätze. Weitgehend unbekannt und damit auch ungenutzt sind zudem betriebswirtschaftliche Auswahl- und Entscheidungsverfahren wie beispielsweise die Nutzwertanalyse oder Kennziffern wie die Gewinnschwelle. Hierdurch ist es Praxisinhabern unmöglich, die ökonomische Relevanz von Digital-Lösungen objektiv zu bestimmen und zu vergleichen.
Planung
Das strategisches Denken ist unter niedergelassenen Ärzten bislang nur gering ausgeprägt. Gerade einmal ein Drittel der Mediziner gibt an, über eine perspektivische Planung für den eigenen Betrieb zu verfügen. Ebenso existieren kaum Business-Pläne. Auch die Zielbildung, Fragen der Positionierung oder des Zielgruppen-Managements beschäftigen nur die wenigsten. Doch dieses Konstellation kollidiert mit den Anforderungen, die eine Transformation stellt, die konkreten Nutzen für die Praxisarbeit bringen soll
Umsetzung
Besonders gravierend sind in diesem Management-Bereich Defizite der Organisation. Hier herrscht auf breiter Ebene ein Unvermögen, die Strukturen und Prozesse der Betriebe gleichermaßen produktivitätsfördernd und patientenorientiert zu gestalten. Damit steigt die Gefahr analog-digitaler Bruchstellen und Lücken.
Aber auch die Personalführung ist nur unzureichend ausgeprägt. Neben fehlenden Ziel-Definitionen, -Absprachen und -Kontrollen werden kaum Führungsinstrumente eingesetzt, die Mitarbeitermotivation vernachlässigt und auf eine Qualifizierung des Personals fast vollständig verzichtet. Das ist jedoch angesichts der Anforderungen, die die Anwendung der Digital-Technik stellt, eine entscheidende Schwäche.
Kontrolle
Da weitgehend Ziele fehlen, kann auch ihre Realisierung nicht bestimmt werden. Aber auch qualitative Aspekte werden im Zeitablauf nicht systematisch verfolgt. Insofern ist unter den gegenwärtigen Bedingungen eine Bestimmung der Effekte von Digital-Lösungen gar nicht möglich.
Fazit
Vergleicht man das derzeit in deutschen Arztpraxen umgesetzte Praxismanagement mit dem Best Practice-Standard, d. h. den Regelungen, Instrumenten und Verhaltensweisen, die einen reibungslosen Praxisbetrieb gewährleisten, realisieren niedergelassene Ärzte gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der Best Practice-Referenz (Basis: Valetudo Praxismanagement-Forschung©) und sind von einer Erfüllung der Anforderungen, die die Digitalisierung stellen wird, noch weit entfernt.
Links:
[1] http://ow.ly/deq330aIjLN